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Qualzucht im Welpenhandel: Warum gerade diese Rassen gehandelt werden

Die Rassenliste des illegalen Handels ist keine Zufallsauswahl. Sie bildet ab, was gerade gefragt ist – und sie überschneidet sich auffällig mit der Liste jener Züchtungen, bei denen Merkmale dokumentiert sind, die Tiere krank machen. Wer eine bestimmte Rasse im Kopf hat, findet hier die Belege zu genau dieser Überschneidung.

4 geprüfte Quellen · Foto: Unsplash

Eine Französische Bulldogge blickt über die Schulter — eine der am stärksten von Qualzucht betroffenen Rassen

Was eine Handelsstatistik über Moden verrät

Illegaler Handel produziert nicht, was Händler mögen, sondern was sich verkauft. Die Rassen, die 2025 in den Aufgriffen auftauchen, sind deshalb weniger eine Aussage über das Angebot als über die Nachfrage der Vorsaison – eine Ableitung, keine Feststellung des Berichts, aber eine naheliegende. Wenn Ihre Wunschrasse in dieser Tabelle steht, heißt das nicht, dass jedes Angebot dieser Rasse unseriös ist. Es heißt, dass Sie in einem Marktsegment suchen, in dem sich das Fälschen lohnt.

Die Rassen 2025

RasseFälle 2025Anteil an den Fällen mit Rasseangabe
Zwergspitz2719,29 Prozent
Malteser139,29 Prozent
Pudel107,14 Prozent
Dackel9in der Auswertung ohne Prozentangabe
Französische Bulldogge8in der Auswertung ohne Prozentangabe

Bei Katzen ist die Datenbasis klein und das Ergebnis trotzdem eindeutig: In 13 Fällen wurden Rassetiere gehandelt, davon acht Mal Scottish Fold – 61,54 Prozent – und drei Mal Britisch Kurzhaar. Eine Rasse, deren Zucht nach Einschätzung des Qualzucht-Evidenz Netzwerks den Tatbestand der Qualzucht erfüllt, stellt damit fast zwei Drittel des gehandelten Katzenbestands.

Was an der Liste auffällt

Die drei Spitzenreiter bei Hunden sind kleine Rassen, die sich transportieren, verstecken und fotografieren lassen. Ein Wurf Zwergspitze passt in einen Kofferraum. Das ist eine Beobachtung über Logistik, keine aus dem Bericht abgeleitete Statistik – der Bericht nennt Fallzahlen, keine Begründungen. Belastbar ist die andere Hälfte des Bildes: Unter den 2025 gehandelten Hunde- und Katzenrassen befinden sich nach der Auswertung „abermals zahlreiche Züchtungen mit Qualzuchtmerkmalen“, konkret genannt werden Französische Bulldoggen, Chihuahuas, Möpse, Dackel, Chow Chows, Boston Terrier, Cocker Spaniel, Pekinesen, Deutsche Schäferhunde, Britisch Kurzhaar und Scottish Fold.

Scottish Fold: was hinter dem gefalteten Ohr steht

Das Merkblatt des Qualzucht-Evidenz Netzwerks zur Rasse Scottish Fold kommt zu dem Ergebnis, dass die Zucht dieser Rasse den Tatbestand der Qualzucht erfüllt, und nennt dafür Osteochondrodysplasie, Brachycephalie, das brachycephale obstruktive Atemwegssyndrom, die polyzystische Nierenerkrankung und Augenerkrankungen. Die Osteochondrodysplasie wird unvollständig dominant über eine Mutation im TRPV4-Gen vererbt; sie betrifft also das Skelett, nicht nur das Ohr. In der zitierten Erhebung wurde sie bei 12 von 1.131 Scottish Fold diagnostiziert und bei 64 weiteren vermutet. Für die polyzystische Nierenerkrankung nennt das Merkblatt bei dieser Rasse eine Prävalenz von bis zu 54 Prozent. Alle genannten Befunde sind der Belastungskategorie 3 zugeordnet, der höchsten der dort verwendeten Skala.

Warum Merkmal und Handel zusammenfallen

Der Zusammenhang ist ökonomisch, nicht moralisch. Rassen mit ausgeprägten Merkmalen sind teuer, weil ihre Zucht aufwendig ist. Beim French Bulldog muss nach dem QUEN-Merkblatt in über 80 Prozent der Geburten ein Kaiserschnitt vorgenommen werden, häufig als Notkaiserschnitt. Wer diese Rasse legal züchtet, braucht also tierärztliche Infrastruktur und kalkuliert sie ein. Wer sie illegal züchtet, spart genau diesen Posten – und erzielt trotzdem den Preis, den die Nachfrage hergibt. Die hohe Marge im illegalen Handel entsteht zu einem Teil dadurch, dass die Kosten, die eine Merkmalszucht verursacht, an den Tieren gespart werden.

„Toy“, „Zwerg“, „Teacup“ und Merle als Verkaufsargument

In derselben Aufzählung nennt der Deutsche Tierschutzbund ausdrücklich „Toy“-, „Zwerg“- und „Teacup“-Züchtungen sowie Tiere mit Merle-Färbung. Diese Begriffe sind keine Rassebezeichnungen, sondern Verkaufsetiketten für ein Merkmal, das gerade Aufpreis erzielt. Wenn eine Anzeige mit ihnen wirbt, bewirbt sie die Abweichung selbst – und die Abweichung ist der Punkt, an dem das Zuchtrecht ansetzt.

Was die Tierheime später vorfinden

Aus elf 2025 bekannt gewordenen illegalen Zuchten innerhalb Deutschlands wurden 210 Tiere beschlagnahmt, 177 Hunde und 33 Katzen. Die Liste der betroffenen Rassen liest sich wie ein Auszug aus dem Zuchtbuch der Nachfrage: Französische Bulldoggen, Zwergspitze, Border Collies, Labradore, Golden Retriever, Pudel, dazu Scottish Fold, Britisch Kurzhaar und Exotic-Shorthair-Mischlinge. Diese Tiere landen anschließend in Einrichtungen, von denen nach der Trendumfrage vom Mai 2024 bereits 49 Prozent voll oder übervoll waren; 74 Prozent der befragten Tierheime berichteten von vermehrt kranken Tieren, 82 Prozent von steigenden Tierzahlen seit 2022.

Wenn Ihre Wunschrasse auf dieser Liste steht

Es gibt hier keine bequeme Antwort, aber drei ehrliche Wege und einen unehrlichen. Der unehrliche besteht darin, einen teureren Anbieter zu wählen und das Problem für gelöst zu halten.

  • Prüfen Sie Merkmale, nicht Rassenamen: kurzer Schädel, gefaltetes Ohr, verkürzte Rute, extremes Zwergwuchsetikett, Merle-Färbung. Das Zuchtrecht knüpft an Merkmale an, nicht an den Namen im Ahnentafelkopf.
  • Lassen Sie sich vor dem Kauf von einer Tierärztin oder einem Tierarzt sagen, welche Untersuchungen bei dieser Rasse üblich sind und welche Befunde bei den Elterntieren vorliegen müssten – und zwar bevor Sie den Anbieter kontaktieren, nicht danach.
  • Rechnen Sie die Folgekosten der Merkmale durch, bevor Sie den Anschaffungspreis diskutieren. Ein Kaiserschnittrisiko von über 80 Prozent ist eine Kostenaussage über die Zucht, ein Atemwegssyndrom eine über das Leben des Tieres.
  • Verzichten Sie auf die Rasse, wenn die Merkmale den Befund tragen. Und sehen Sie im Tierschutz nach: Tiere genau dieser Rassen sitzen dort bereits, weil sie beschlagnahmt oder abgegeben wurden.

Stand der Angaben

Fallzahlen und Rassenennungen stammen aus der Auswertung des Deutschen Tierschutzbundes zum Jahr 2025, Bearbeitungsstand Mai 2026, geprüft am 1. August 2026. Die veterinärmedizinischen Angaben stammen aus den Merkblättern des Qualzucht-Evidenz Netzwerks zu den Rassen French Bulldog und Scottish Fold, ebenfalls am 1. August 2026 geprüft. Wo im Text eine Ableitung und keine Quellenaussage steht, ist das kenntlich gemacht.

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Quellenverzeichnis

Belege

Jede Zahl auf dieser Seite ist gegen die folgenden Primärquellen geprüft.

  1. 1
  2. 2
    Merkblatt Hund Rasse French Bulldog

    Qualzucht-Evidenz Netzwerk (QUEN) gGmbH

  3. 3
    Merkblatt Katze Rasse Scottish Fold

    Qualzucht-Evidenz Netzwerk (QUEN) gGmbH

  4. 4
    Tierheime sind überfüllt: Nur 18 Prozent haben noch Kapazitäten

    Deutscher Tierschutzbund e. V., Pressemeldung vom 28.08.2024